Als das Internet stillstand - Wie Big Tech-Abhängigkeiten zur digitalen Achillesferse wurden

Cloudflare-Ausfall legt ChatGPT, Mistral, X und Hunderte Dienste lahm und enthüllt Europas gefährliche Tech-Abhängigkeit. Warum digitale Souveränität keine Option mehr ist, sondern Überlebensfrage.

Cloudflare-Ausfall legt ChatGPT, Mistral, X und Hunderte Dienste lahm und enthüllt Europas gefährliche Tech-Abhängigkeit. Warum digitale Souveränität keine Option mehr ist, sondern Überlebensfrage.

Am 18. November 2025, kurz nach 11 Uhr morgens, passierte das, was Experten seit Jahren befürchten: Das Internet brach zusammen. Nicht komplett, aber genug, um zu zeigen, wie gefährlich unsere Abhängigkeit von wenigen US-Tech-Giganten geworden ist.

ChatGPT lieferte keine Antworten mehr. Auch der einst so schnelle KI-Assistent Mistral zeigte nur noch die Warnung „Verbindungsproblem” an. X (ehemals Twitter) war nicht erreichbar. Truth Social, die Plattform von US-Präsident Donald Trump, zeigte nur Fehlermeldungen. Dutzende prominente Websites und Dienste weltweit wurden lahmgelegt – alles wegen eines einzigen Unternehmens: Cloudflare.

Ein versteckter Fehler in einem Bot-Abwehr-Dienst, und Millionen Nutzer weltweit standen plötzlich im digitalen Dunkeln. Was dabei besonders erschreckend ist: Es ist nicht das erste Mal. Und es wird nicht das letzte Mal sein.

Oktober 2025: Als Amazon AWS Perplexity für Stunden offline nahm

Nur knapp einen Monat zuvor, am 20. Oktober 2025, ereignete sich ein ähnliches Szenario. Amazon Web Services (AWS) – der größte Cloud-Anbieter der Welt – erlitt eine technische Störung. Die Folge: Perplexity, der aufstrebende KI-Suchassistent, war mehrere Stunden lang komplett unerreichbar.

Perplexity ist nicht irgendein kleiner Dienst. Das Unternehmen positioniert sich als ernstzunehmende Alternative zu Google und ChatGPT und jährlich fließen Milliarden von Investoren an das Unternehmen. Doch hinter den Kulissen offenbarte sich eine fatale Schwachstelle: Perplexity ist massiv abhängig von Amazon AWS.

Und es kommt noch schlimmer: Am 18. November 2025, als Cloudflare ausfiel, war Perplexity erneut nicht erreichbar – diesmal wegen Cloudflare. Perplexity hat eine doppelte Abhängigkeit: Fällt AWS aus, ist der Dienst offline. Fällt Cloudflare aus, ist der Dienst offline.

Zwei Single Points of Failure. Zwei amerikanische Tech-Giganten entscheiden über Leben und Tod eines mit Milliarden an Investorengeldern bezuschussten KI-Dienstes.

Europas KI-Hoffnung Mistral? Läuft auf amerikanischer Infrastruktur

Noch brisanter wird es, wenn man auf europäische Anbieter schaut, die sich als Alternative zu US-Diensten positionieren.

Mistral AI, das französische KI-Startup, gilt als Europas Hoffnungsträger im Kampf gegen die Dominanz von OpenAI und Google. Die EU fördert das Unternehmen, Politiker feiern es als Leuchtturm europäischer Tech-Souveränität.

Die Realität sieht anders aus:

  • Mistral nutzt Cerebras (ein US-Unternehmen) für seinen Chat-Dienst
  • Microsoft und Google Cloud liefern die Computing-Power
  • Cloudflare sorgt für Netzwerk-Infrastruktur und DDoS-Schutz

Am 18. November 2025, als Cloudflare ausfiel? Mistral war nicht erreichbar.

Das Paradoxon: Europas KI-Champion ist so tief in amerikanische Tech-Infrastruktur eingebettet, dass er bei jedem größeren US-Ausfall mit ausfällt. Die “europäische Alternative” entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Illusion, die auf den Fundamenten von Big Tech errichtet wurde.

Die Hintertür, die niemand sieht

Diese Abhängigkeiten sind keine Unfälle. Sie sind systematisch.

Dennis-Kenji Kipker, Wissenschaftlicher Direktor beim cyberintelligence institute, warnt: „Wenn die US-amerikanischen Cloud-Dienste in relativ kurzer Zeit ausfallen oder in Teilen nicht mehr verfügbar sind, sind wir hier in der Europäischen Union innerhalb weniger Tage nicht mehr arbeitsfähig.” (Quelle: Tagesschau)

Das Problem beginnt mit etwas scheinbar Banalem: der Bequemlichkeit. AWS, Microsoft Azure, Google Cloud, Cloudflare – sie bieten erstklassige Dienste zu konkurrenzlosen Preisen. Für Start-ups und selbst etablierte Unternehmen ist es der schnellste Weg zur Skalierung.

Doch mit jeder Integration schleicht sich Big Tech durch die Hintertür herein.

Und plötzlich sitzt dein gesamtes Geschäftsmodell auf fremdem Boden. Boden, der jederzeit unter deinen Füßen weggezogen werden kann – durch technische Störungen, politische Entscheidungen oder schlicht durch den Willen eines US-Präsidenten.

Der Cloud Act: Amerikas digitales Druckmittel

Die technischen Ausfälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Das eigentliche Problem ist politisch.

Der Cloud Act, von Donald Trump in seiner ersten Amtszeit unterzeichnet, erlaubt der US-Regierung, auf Cloud-gespeicherte Daten zuzugreifen – auch wenn diese Daten außerhalb der USA liegen.

Was heißt das konkret?

  • Deine Firma speichert sensible Kundendaten in der „EU-Region” von AWS? Die US-Regierung kann darauf zugreifen.
  • Dein Startup nutzt Microsoft Azure für die Produktentwicklung? Deine Geschäftsgeheimnisse können beschlagnahmt werden.
  • Deine Behörde läuft auf Google Cloud? Amerikanische Geheimdienste haben theoretisch Zugriff.

Kipker warnt: „Der amtierende US-Präsident Donald Trump verbindet die technologischen Abhängigkeiten in der Europäischen Union und in Deutschland mit seinem außenpolitischen Handeln. Das heißt, wo wir einerseits sagen, dass wir zwar außenpolitisch frei entscheiden könnten, verbindet er Sachverhalte, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben.”

Übersetzung: Passt der US-Regierung etwas nicht – sei es Handelspolitik, militärische Unterstützung oder diplomatische Positionierung – hat sie ein gewaltiges Druckmittel: Einfach den Stecker ziehen.

Banktransaktionen? Lahmgelegt. Behörden? Arbeitsunfähig. Digitale Lieferketten? Kollabiert.

Europa wäre innerhalb von Tagen nicht mehr funktionsfähig.

Wenn der Ausfall zur Waffe wird

Die Ausfälle vom 18. November und 20. Oktober 2025 waren technische Pannen. Aber sie zeigen, wie verwundbar wir sind.

Stell dir vor, es wäre Absicht:

  • Ein geopolitischer Konflikt eskaliert
  • Die US-Regierung ordnet an, dass AWS, Microsoft Azure und Google Cloud ihre Dienste für europäische Regierungskunden einstellen
  • Gleichzeitig werden Cloudflare, Akamai und andere CDN-Anbieter angewiesen, europäische Websites nicht mehr zu schützen

Das Ergebnis? Ein digitaler Blackout, der nicht Stunden dauert, sondern Wochen. Vielleicht Monate.

Das ist kein Science-Fiction. Das ist die logische Konsequenz unserer aktuellen Infrastruktur.

Europa wehrt sich – aber viel zu langsam

Es gibt Lichtblicke. Einzelne Städte und Bundesländer beginnen, gegenzusteuern.

Lyon: Die Stadt, die Microsoft den Rücken kehrte

Die französische Stadt Lyon hat einen radikalen Schritt gewagt: kompletter Ausstieg aus Microsoft Office.

Stattdessen:

  • OnlyOffice ersetzt Microsoft Office
  • Linux ersetzt Windows
  • PostgreSQL ersetzt proprietäre Datenbanken
  • Jitsi (statt Microsoft Teams) für Videokonferenzen
  • Nextcloud für Dateiablage
  • Matrix für sichere Kommunikation

Das Ergebnis? Eine offene Kollaborationssuite namens „Territoire Numérique Ouvert”, die komplett unabhängig von US-Konzernen läuft. Geräte werden länger genutzt, Kosten sinken, Datensouveränität steigt.

Schleswig-Holstein: Deutschlands Leuchtturm

Schleswig-Holstein gilt als deutscher Vorreiter. Das Bundesland hat:

  • Exchange/Outlook durch Open-Xchange/Thunderbird ersetzt
  • Microsoft Office durch LibreOffice abgelöst
  • Schrittweiser Umstieg auf Linux eingeleitet
  • Über 40.000 Konten migriert
  • Mehr als 100 Millionen E-Mails und Kalendereinträge übertragen

Das Projekt funktioniert. Weitere Behörden in Deutschland ziehen nach.

ZenDiS: Deutschlands Antwort auf Big Tech

In der alten Opel-Verwaltung in Bochum sitzt ZenDiS – das „Zentrum für Digitale Souveränität”. Es treibt die Einführung von Open-Source-Software in deutschen Verwaltungen voran.

Das Flaggschiff-Produkt: openDesk – eine gebündelte Suite aus E-Mail, Kalender, Textverarbeitung und Dateiverwaltung. Alles Open Source. Alles unabhängig.

Etwa 100.000 Nutzer arbeiten bereits damit. Geschäftsführerin Pamela Krosta-Hartl erklärt: „Wir gucken: Wo sind hier in Europa im Open-Source-Bereich Lösungen, die wirklich schon einen sehr guten Reifegrad haben? Die kombinieren wir zu einem Gesamtpaket.”

Das Problem? ZenDiS ist massiv unterfinanziert. 16 Millionen Euro gab es für den Aufbau – danach muss sich das Unternehmen über Projekte selbst finanzieren.

Experten sind frustriert: Während die USA Milliarden in Tech-Infrastruktur pumpen, kämpft Europas Vorzeigeprojekt ums Überleben.

Die harte Wahrheit: Deutschland steht erst am Anfang

Die WDR-Redaktion Monitor fragte alle 16 Bundesländer nach ihrem Stand bei digitaler Souveränität.

Das ernüchternde Ergebnis:

  • Nur zwei Bundesländer (Thüringen und Schleswig-Holstein) setzen konsequent auf unabhängige IT-Lösungen
  • Alle anderen halten digitale Souveränität zwar für wichtig, verlassen sich aber nach wie vor weitgehend auf US-Anwendungen

Kipker fasst zusammen: „Zurzeit sind wir nicht besonders gut aufgestellt. Ich will nicht sagen, dass wir blank sind, aber wir haben das Thema einfach viel zu lange verschlafen.”

Warum echte Unabhängigkeit möglich ist: Das Beispiel CamoCopy

Es geht aber auch anders. Komplett anders.

CamoCopy, eine datenschutzfreundliche KI-Plattform, zeigt, wie digitale Souveränität in der Praxis aussehen kann.

Die Infrastruktur von CamoCopy:

Keine Cloudflare-Abhängigkeit oder Amazon-Abhängigkeiten

Exklusiv Rechenzentren in der EU und somit volle Kontrolle über Hardware

Nutzung von Open-Source Software

Das Ergebnis?

  • 18. November 2025, Cloudflare-Ausfall: CamoCopy lief ohne Unterbrechung
  • 20. Oktober 2025, AWS-Ausfall: CamoCopy war vollständig erreichbar
  • Keine Abhängigkeit von US-Anbietern – keine politischen oder technischen Druckmittel

CamoCopy beweist: Echte Unabhängigkeit ist nicht nur möglich – sie ist wirtschaftlich sinnvoll und technisch machbar.

Während Perplexity, Mistral und andere bei jedem Big-Tech-Ausfall mit ausfallen, läuft CamoCopy weiter. Das ist wahre digitale Souveränität.

Der Wendepunkt: Warum jetzt gehandelt werden muss

Die Ausfälle vom Oktober und November 2025 sind Warnschüsse.

Sie zeigen uns:

  1. Technische Abhängigkeit ist existenziell gefährlich – ein Fehler bei Cloudflare, und Millionen Dienste weltweit stehen still
  2. Politische Abhängigkeit wird zur Waffe – der Cloud Act macht europäische Daten zum Spielball US-amerikanischer Interessen
  3. Europäische “Alternativen” sind oft Trugbilder – selbst Mistral läuft auf amerikanischer Infrastruktur
  4. Echte Souveränität ist möglich – Beispiele wie Lyon, Schleswig-Holstein und CamoCopy beweisen es

Kipker fordert: „Was es braucht, ist ein zentrales Register, wo man auf einen Blick sehen kann: Was ist eine digital souveräne Lösung? Was ist keine digital souveräne Lösung?”

Ohne dieses Bewusstsein, ohne massiv erhöhte Investitionen in europäische Infrastruktur, bleibt Europa erpressbar.

Die Frage, die sich jedes Unternehmen stellen muss

Bist du bereit, dein Geschäft auf fremdem Boden zu bauen?

Bist du bereit, darauf zu vertrauen, dass AWS nie wieder ausfällt? Dass Cloudflare immer verfügbar ist? Dass die US-Regierung niemals ihre Macht missbraucht?

Oder wählst du digitale Souveränität?

Die Antwort entscheidet darüber, ob dein Unternehmen, deine Behörde, deine Daten in fünf Jahren noch dir gehören – oder ob du nur Mieter auf fremdem Land warst, dem jederzeit gekündigt werden kann.

Die Ausfälle vom Oktober und November 2025 waren keine Endpunkte. Sie waren Anfangspunkte.

Der Anfang einer Ära, in der digitale Abhängigkeit zur größten Schwachstelle Europas wird.

Oder der Anfang einer Ära, in der Europa endlich aufwacht und seine digitale Souveränität zurückerobert.

Was wird es sein?


🔐 Wahre digitale Unabhängigkeit beginnt mit der richtigen Infrastruktur: Während Perplexity, Mistral und andere bei jedem Big-Tech-Ausfall mit ausfallen, setzen souveräne Lösungen wie CamoCopy auf 100% europäische Infrastruktur – ohne AWS, ohne Cloudflare, ohne Abhängigkeiten. Das ist der Unterschied zwischen Lippenbekenntnissen und echter Souveränität.

Quellen: Fest in amerikanischer Hand - Tagesschau
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